Es gibt für alles eine Zeit.

Es gibt eine Zeit, die Phänomenologie der christliche Existenz zu bedenken. Es gibt eine Zeit, diese christliche Existenz zu schützen und für sie Partei zu ergreifen, die Stimme zu erheben, so laut und deutlich es geht.

Es gibt eine Zeit für die wissenschaftliche Untersuchung ethno-religiöser Konflikte und deren wirtschaftliche, politische und soziale Implikationen. Eine Zeit, das komplexe Geflecht an Einflussfaktoren in der Lebenswelt zwischen Nigerias islamischem Norden und christlichem Süden zu entwirren.

Es gibt eine Zeit für Recherchen und Diskursanalysen. Eine Zeit für Vergleiche zwischen Bibel und Koran. Für den Streit um die richtige Deutung der Schrift. Für Zahlenspiele. Für Fakten und Fiktionen. Für schwarz und weiß. Für Geschichte. Und für Gegenwart. Für Versuche, auf die vielen offenen Fragen in der Berichterstattung deutscher Medien im Kontext der Ereignisse in Nigeria Antworten zu finden.

Es gibt eine Zeit für Spekulationen über die Ursachen, Gründe und Anlässe der neuerlichen Gewalt in Nigeria, der mehr als 500 Christen zum Opfer fielen.

Und, ja: Es gibt eine Zeit des Zorns und der Schuldzuweisung.

Es gibt eine Zeit für die Frage, ob die Quelle solcher Gewalt mit Religion, einer bestimmten Religion oder einer bestimmten Weise, eine bestimmte Religion zu leben, in Verbindung gebracht werden kann. Eine Zeit, den Begriff „Fundamentalismus“ zu bestimmen. Eine Zeit, sich über die Shari’a zu informieren. Meinetwegen auch eine Zeit, an die Kreuzzüge und die Hexenverbrennung zu erinnern, derenthalben man sich als Christ über Ereignisse wie das vom letzten Sonntag erstens nicht zu wundern und zweitens nicht zu beschweren brauche. Eine Zeit, die Frage zu stellen, was Christen überhaupt in Afrika zu suchen haben.

Es mag gar eine Zeit geben, vom Papst Rechenschaft in der Sache zu verlangen.

Es gibt eine Zeit, die Behauptung zu wagen, es geschehe den Christen schon ganz recht, denn so ganz grundlos werde der Übergriff schon nicht gewesen sein. Eine Zeit, diesen Grund nicht im Expansionsstreben des islamischen Nordens zu vermuten, sondern im Unwillen des christlichen Südens, sich erobern zu lassen. Eine Zeit, diesen Übergriff als „Unruhe“, „Kampf“ oder „Zusammenstoß“ zu bezeichnen. Eine Zeit, mal eben zu vergessen, dass Christen zu über 90% Opfer und zu unter 1% Täter religiös motivierter Gewalt sind.

Es gibt eine Zeit, sich zu überlegen, woher solche Haltungen kommen, die Ungleiches gleich, die Opfer zu Tätern machen. Und wohin solche Haltungen führen. Und was man ihnen entgegnen kann.

Für all das gibt es eine Zeit. Es darf, kann und wird sie geben.

Jetzt aber gibt es erst einmal eine Zeit der Trauer.

Und eine Zeit des Gebets.

Mit der Bitte um Gnade, Umkehr und Vergebung für die Täter.

Mit der Bitte um Trost, Kraft und Vertrauen für die Hinterbliebenen.

Mit der Bitte um das ewige Seelenheil für die Opfer.

(Josef Bordat)

Zum Internationalen Frauentag findet heute um 18 Uhr in der St. Canisius-Kirche in Berlin-Charlottenburg ein ökumenischer Gottesdienst statt. Darin werden Texte der französischen Mystikerin Madeleine Delbrêl gelesen.

Herzliche Einladung!

(Josef Bordat)

Weltgebetstag 2010

März 5, 2010

Wie an jedem ersten Freitag im März findet heute der jährliche Weltgebetstag der Frauen statt. Christinnen (und Christen) feiern aus diesem Anlass in über 170 Ländern einen ökumenischen Gottesdienst. Vorbereitet wurde er in diesem Jahr von Frauen aus dem zentralafrikanischen Land Kamerun. Er steht unter dem Motto „Alles, was Atem hat, lobe Gott“.

Herzliche Einladung zum Mitfeiern!

(Josef Bordat)

Verklärung Jesu

Februar 28, 2010

Unsere Heimat ist im Himmel. Von dorther erwarten wir auch Jesus Christus, den Herrn, als Retter, der unseren armseligen Leib verwandeln wird in die Gestalt seines verherrlichten Leibes, in der Kraft, mit der er sich alles unterwerfen kann. (Phil 3, 20-21)


In jener Zeit nahm Jesus Petrus, Johannes und Jakobus beiseite und stieg mit ihnen auf einen Berg, um zu beten. Und während er betete, veränderte sich das Aussehen seines Gesichtes, und sein Gewand wurde leuchtend weiß. Und plötzlich redeten zwei Männer mit ihm. Es waren Mose und Elija; sie erschienen in strahlendem Licht und sprachen von seinem Ende, das sich in Jerusalem erfüllen sollte. Petrus und seine Begleiter aber waren eingeschlafen, wurden jedoch wach und sahen Jesus in strahlendem Licht und die zwei Männer, die bei ihm standen. Als die beiden sich von ihm trennen wollten, sagte Petrus zu Jesus: Meister, es ist gut, dass wir hier sind. Wir wollen drei Hütten bauen, eine für dich, eine für Mose und eine für Elija. Er wusste aber nicht, was er sagte. Während er noch redete, kam eine Wolke und warf ihren Schatten auf sie. Sie gerieten in die Wolke hinein und bekamen Angst. Da rief eine Stimme aus der Wolke: Das ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören. Als aber die Stimme erklang, war Jesus wieder allein. Die Jünger schwiegen jedoch über das, was sie gesehen hatten, und erzählten in jenen Tagen niemand davon.
(Lk 9, 28b-36)

Das Leben wird rückwärts verstanden, aber vorwärts gelebt. Wohin uns Gott mit seinem Ruf letztlich führt, leuchtet heute im Evangelium auf. Jesus nimmt drei seiner Jünger mit auf einen hohen Berg. Dort wird er vor ihren Augen verwandelt.

In der Verklärung Jesu wird uns gezeigt, wohin uns Gott mit seinem Ruf führt: in die Auferstehung mit Jesus Christus. Die Verklärung Jesu auf dem hohen Berg ist das Wetterleuchten seiner und unserer Auferstehung. Die Jünger fühlen sich in der Gegenwart des verklärten Herrn so glücklich, dass sie Hütten bauen und auf dem Berg bleiben wollen. Doch dafür ist die Zeit noch nicht gekommen. Jesus nimmt sie mit hinab in die Niederungen des alltäglichen Lebens. Dort ist der Ort, dem Ruf Gottes zu folgen, auch für uns. Im Alltag muss sich zeigen, dass wir Gottes Wege gehen.

Friedrich Kardinal Wetter, Erzbischof em. von München

Glaube, Liebe, gute Werke

Februar 24, 2010

„Sieh, woher unsere guten Werke kommen! Woher, wenn nicht aus dem Glauben, der in der Liebe wirksam ist? Wie aber könnten wir lieben, wenn wir nicht zuvor geliebt würden?“ (Hl. Augustinus)

In der Tat: Ohne Glauben würde ich nicht über Nacht zum Mörder, doch ist der Glaube für mich ein starkes Motiv, Gutes zu tun. Wenn ich daran glaube, dass ich im Nächsten meinen Gott vor mir habe, gehe ich sorgsam mit ihm um. Ich versuche es zumindest.

(Josef Bordat)